Montag, 3. November 2014

[Rezension] Red Rising von Pierce Brown

© Heyne Verlag
Autor: Pierce Brown
Dt. Titel: Red Rising
Dt. Erstausgabe: 10/2014
Verlag: Heyne fliegt
Format: Hardcover
Seitenzahl: 560
ISBN-10: 3453269578
ISBN-13: 978-3453269576
Preis: 16,99 €

Die Leseprobe findet Ihr hier.








Der junge Darrow lebt in einer Welt, in der die Menschheit die Erde verlassen und die Planeten erobert hat. Bei der Besiedlung des Mars kommt ihm eine wichtige Aufgabe zu, das jedenfalls glaubt Darrow, der in den Minen im Untergrund schuftet, um eines Tages die Oberfläche des Mars bewohnbar zu machen. Doch dann erkennt er, dass er und seine Leidensgenossen von einer herrschenden Klasse ausgebeutet werden. Denn der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht lebt in luxuriösen Städten inmitten üppiger Parklandschaften. Sein tief verwurzelter Gerechtigkeitssinn lässt Darrow nur eine Wahl: sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen. Dabei führt ihn sein Weg zunächst ins Zentrum der Macht. Der unerschrockene Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Denn um sie vernichtend schlagen zu können, muss er einer von ihnen werden …

Meine Meinung

"Red Rising" von Pierce Brown ist ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Ich bin wirklich nicht der Typ, der sonderlich viel zitiert, aber in diesem Buch gibt es so viele mögliche Zitate, dass diese absolut den Rahmen sprengen würden.
>> Auf dem Mars ist die Schwerkraft nicht sehr groß. Also muss man an den Füßen des Gehängten ziehen, um ihm das Genick zu brechen. Diese Aufgabe überlassen sie den Angehörigen. << (S. 11)
Zu Anfang meiner Bloggerzeit habe ich festgestellt, dass ich unbewusst mehr von Autorinnen lese. Mittlerweile sind doch recht regelmäßig auch Autoren vertreten und ich habe festgestellt, dass ich gerade im Bereich Dystopie / Science Fiction männliche Erzählungen bevorzuge. Allerdings hatte ich noch nie ein Buch, dass so männlich war. Der Schreibstil, die Ideen, die Umsetzung - alles schreit: Mann. Versteht mich nicht falsch, ich habe es trotzdem genossen, aber ich denke schon, dass sich dieser Roman vor allem an männliche Leser richtet. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass auch viele Leserinnen zu diesem Buch greifen werden, denn es lohnt sich definitiv!
>> Mein Volk singt, wir tanzen, wir lieben. Das ist unsere Stärke. Aber wir graben auch. Und dann sterben wir. Nur selten können wir entscheiden, wie. Diese Entscheidung bedeutet Macht. Diese Entscheidung war unsere einzige Waffe. Aber sie ist nicht genug. << (S. 78)
Der Schreibstil ist kühl und prägnant. Man merkt recht schnell, ob man sich damit anfreunden kann oder nicht, deshalb: schnuppert mal in die Leseprobe rein! Beschreibungen gehen ihm gut von der Hand, sind aber auch wieder eher minimalistisch gehalten. Dafür gibt es überraschende Metaphern und interessante Vergleiche. So bleibt, teilweise zum Glück, doch einiges der Fantasie überlassen. Das Buch gliedert sich in drei Teile, die signifikante Abschnitte im Leben des Protagonisten wiedergeben. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt.
>> Sein Lidschlag ist lang und schwer, als würde es ihm wehtun, jedes Mal aufs Neue die Augen zu öffnen und die Welt wiederzusehen.<< (S. 17)
Die Charaktere sind alles andere als blass, aber doch sehr fern. Das liegt vor allem an den auffallend wenigen Dialogen und der einseitigen Perspektive. Trotzdem erschafft Brown markante Figuren, die dem Leser definitiv im Gedächtnis bleiben. Man mag zwar kaum Bezug zu ihnen aufbauen, dafür konnten sie mich immer wieder überraschen. Schwarz-/Weiß-Denken gibt es bei Brown nicht.
>> Eo ist der Meinung, dass der Grendel [...] ursprünglich nicht auf dem Mars heimisch war, sondern hier angepflanzt wurde, um uns vom Fusel abhängig zu machen. Das sagte sie jedes Mal, wenn meine Mutter neuen Alkohol gemacht hat. Daraufhin nimmt meine Mutter jedes Mal einen Schluck und sagt: "Ich lasse mich lieber von einem Getränkt beherrschen als von einem Menschen. Diese Ketten schmecken lecker." << (S. 38)
Darrow ist ein toller Protagonist. Es ist keinesfalls leicht, sich in ihn hineinzuversetzen, vor allem nicht als Frau, aber man muss ihn einfach mögen. Er ist klug und geschickt, weiß sich anzupassen und lernt schnell dazu. Trotzdem macht er Fehler - viele. Er hat Ecken und Kanten, sagt und tut oft das Falsche - und gesteht es sich auch ein. Am meisten beeindruckt hat mich aber, dass er allen Grund hat, seine Unterdrücker zu hassen, und doch in der Lage ist, das Gute in ihnen zu erkennen während er unter ihnen weilt. Er kann schwere Entscheidungen treffen und Opfer bringen, ohne ewig zu zaudern. Er ist gewiss nicht perfekt, aber für mich war er nahezu ein perfekter Protagonist.
>> Diese Bohrer können einem die Knochen schmelzen, wenn man nicht vorsichtig ist. Und ich bin keineswegs vorsichtig. Nur schnell. << (S. 19)
Liebe spielt in dieser Geschichte keine konstante Rolle - und ist doch so wichtig. Darrow lebt für seine Frau, Eo. Er liebt sie von ganzem Herzen, was man auch immer wieder zu spüren bekommt. Im Gegensatz zu ihm hat Eo allerdings Visionen. Sie will sich nicht mit der Ungerechtigkeit ihres Daseins abfinden und versucht immer wieder, Darrow von ihren Absichten zu überzeugen. Was sie im Leben nicht vermochte, gelingt ihr dann im Tod: sie wird zur Martyrerin, damit Darrow als Rebell aufsteigen kann.
>> Der Tod ist nicht sinnlos, wie du sagst. Sinnlos ist ein Leben ohne Freiheit, Darrow. Sinnlos ist ein Leben in den Ketten der Angst, der Angst vor Verlust, vor Tod. Ich sage, dass wir diese Ketten sprengen müssen. Sprenge die Ketten der Angst, und du sprengst die Ketten, die uns an die Goldenen fesseln, an die Weltengesellschaft. << (S. 56)
>> "Ich lebe für dich", sage ich traurig. Sie küsst meine Wange. "Dann musst du für mehr leben." << (S. 57) 

Kurz nach Eos Tod endet der erste Teil und man könnte sagen, dass die Geschichte erst da so richtig an Fahrt aufnimmt. Das Erstaunliche dabei ist, dass sich diese so völlig anders entwickelt als ich es erwartet hatte. Von Anfang ist klar, dass Brown mit seinem Buch das Rad nicht neu erfindet, aber allein das Setting weckte meine Neugierde. Und bis zu einem gewissen Punkt ist es auch genau so spektakulär wie ich es mir erhofft hatte. Doch irgendwann hatte man das Gefühl, sich wieder auf der Erde zu befinden. Mir war klar, dass das Ziel des Terraforming ist, den Mars für die Menschen bewohnbar zu machen. Das heißt, dass der Mars an die Begebenheiten auf der Erde angepasst wird. Völlig logisch. Aber trotzdem hätte ich mir eine andere Atmosphäre gewünscht. Zugegeben, es gibt Unterschiede, aber im ersten Teil atmet man förmlich die Andersartigkeit dieses Planeten ein und das ist dann plötzlich weg. Und auch wenn ich mit meiner Meinung alleine dastehen mag, ich fand das schade.
>> Schon komisch, Götter zu beobachten, denen klar wird, dass sie doch nur sterblich sind. << (S. 521)
Trotzdem ist es einfach nur genial, was Brown aus dem Rest der Geschichte gemacht hat. Man rechnet damit, dass Darrows Zeit im Institut so abläuft, wie man sich eine Akademie für Herrscher und/oder Killer nun mal so vorstellt, nur um dann völlig überrascht zu werden. Ich möchte gar nicht viel verraten, denn die Überraschung war mit das Beste daran, aber so viel kann ich sagen: der besagte Abschnitt ist hart, manchmal etwas übertrieben, gelegentlich gibt es auch das ein oder andere Spannungstief, aber trotz allem ist es absolut genial! Besonders interessant sind die Bezüge zu antiken Hochkulturen, vor allem zu den Römern. Da die Menschen dazu neigen, sich selbst zu Göttern zu erheben, gibt es natürlich auch Bezüge zur römisch-griechischen Mythologie. Alles Aspekte, mit denen ich nicht gerechnet hätte, die ich aber bei diesem Science Fiction Abenteuer sehr genossen habe.
>> Die Menschen können nicht durch die gleiche Ungerechtigkeit befreit werden, durch die sie versklavt wurden. << (S. 409)
Darrow hat noch viel zu lernen und steht gerade erst am Anfang, aber ich freue mich jetzt schon darauf, seinen Kampf weiterzuverfolgen. Der Roman mag zwar stellenweise etwas lang gewesen sein, aber rückblickend ist wirklich alles wichtig. Und so hoffe ich, dass noch viel mehr Leute zu diesem Buch greifen, denn es sticht definitiv aus der Masse hervor! 

Fazit

Pierce Browns "Red Rising" ist kein Roman für Zwischendurch und gewiss nicht für Jedermann, aber für mich gehört er zu den Highlights des Jahres. Dieses Buch ist irgendwie monumental - es ist voller Emotionen, mit einer sehr dichten Atmosphäre und regt immer wieder zum Nachdenken an. Selten sind mir so viele Sätze im Gedächtnis geblieben und ich werde diese Geschichte gewiss nicht so schnell vergessen. Auch wenn alles an diesem Buch irgendwie männlich ist, konnte ich es auch als Frau genießen. Wer sich nicht sicher ist, sollte einfach mal in die Leseprobe reinschnuppern, aber ich kann es nur empfehlen. 5/5 Bücher!

Der Autor

© Joan Allen
Nach dem Collegeabschluss hätte Pierce Brown eigentlich nichts dagegen gehabt, seine Studien in Hogwarts fortzusetzen. Da es ihm dafür leider an der nötigen magischen Gabe fehlte, versuchte er es mit verschiedenen Jobs in der Medienbranche. Sein Debütroman Red Rising wurde ein so sensationeller Erfolg, dass Pierce Brown sich jetzt ganz dem Schreiben widmen kann. Der Autor lebt in L.A.

Die Reihe

Red Rising Trilogie

  1. Red Rising / Red Rising (Red Rising Trilogy #1)
  2. ??? / Golden Son (Red Rising Trilogy #2)
  3. ??? / ??? (Red Rising Trilogy #3)

Originalcover

Mein Dank geht an...

...den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Hach, das klingt ganz toll. Deshalb freu ich mich noch umso mehr drauf, dass ich das als nächstes lese. Monumental klingt genau richtig :-)

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  2. Huhu Rica,
    na das hört sich doch super an, wenn es zu deinen Highlights des Jahres zählt!
    Mhhh jetzt steigt es in meiner Wunschliste definitiv wieder nach oben. Aber das Cover ist und bleibt einfach total nichtssagend :-D
    Liebe Grüße
    Sandra

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  3. Hallo Rica,
    bin gerade via Influenza Bookosa bei Dir gelandet - tolle Rezension - und ich kann dir aus vollem Herzen zustimmen! Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht - Golden Son lieg tjetzt seit einem guten halben Jahr auf meiner Leseliste .. aber irgendwie reicht die Zeit nicht um all die guten Bücher zu lesen ;-)

    Liebe Grüße
    Kati

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