Freitag, 25. April 2014

[Rezension] Half Bad 01 - Das Dunkle in mir von Sally Green

© cbj
Autorin: Sally Green
Dt. Reihentitel: Half Bad
Dt. Titel: Das Dunkle in mir
Dt. Erstausgabe: 03/2014
Verlag: cbj
Format: Hardcover
Seitenzahl: 432
ISBN-10: 357015842X
ISBN-13: 978-3570158425
Preis: 17,99 €



Die Leseprobe findet Ihr hier.


Nathan wird gejagt. Seit seiner frühesten Kindheit wird er von der Regierung beobachtet, verfolgt, eingesperrt. Denn Nathan lebt in einer Welt, in der – mitten im modernen Alltagsleben – Hexen existieren. Weiße Hexen, die sich selbst für gut erachten und die Regierungsmacht in ihren Händen halten. Schwarze Hexen, die gefährlich und skrupellos sind und im Untergrund arbeiten. Und Nathan, der beides ist – denn seine Mutter war eine Weiße und sein Vater Marcus ist der gefürchtetste Schwarze aller Zeiten. Nathan ist ihm nie begegnet, aber von so einem Vater kann er nur Dunkles und Böses geerbt haben. Oder?Um an Marcus heranzukommen, stellt der Rat der Weißen eine tödliche Falle – mit Nathan als Köder. Bald wird Nathan von beiden Seiten gejagt und muss sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt: für die gute Seite in ihm – oder für die böse …

Inhalt

Nathans Welt besteht buchstäblich aus Schwarz und Weiß. Seine Gesellschaft wird von weißen Hexen regiert, die auf der ständigen Jagd nach schwarzen Hexen sind - allen voran Nathans Vater, den gefürchteten Marcus. Dadurch, dass er von einer weißen Hexe und einem schwarzen Hexer abstammt, wird er zum Halb-Code deklariert. Er wird gemieden, verspottet, geschlagen und zu Unrecht verurteilt. Immer und immer wieder. Dabei will Nathan nur eines: der Welt beweisen, dass er selbst über sein Schicksal entscheidet. Er will beweisen, dass er gut, dass er weiß ist, aber lässt man ihm denn überhaupt eine Wahl?

Eigene Meinung

Half Bad – Das Dunkle in mir“ von Sally Green ist ein außergewöhnlicher Reihenauftakt, der allerdings nicht jedermanns Geschmack treffen wird.

Den Schreibstil als gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen, ist wohl untertrieben. Der komplette erste Teil des Buches wird in dem Sinne von „Stell Dir vor…“ erzählt. Die Kapitel sind teilweise keine Seite lang – eines besteht sogar nur aus einer Liste. Schon nach wenigen Seiten wollte ich den Roman abbrechen, weil ich diesen Stil keine hunderte von Seiten aushalten würde. Glücklicherweise wird die Geschichte ab dem zweiten Teil aus der Ich-Perspektive erzählt. Keine totale Besserung, aber immerhin etwas. Die Sätze sind weiterhin kurz und prägnant, geradezu abgehackt. In ihrer Schlichtheit entsprechen sie dem naiven Gemüt des Protagonisten, was an sich eine clevere Sache ist, aber es hat das Lesevergnügen nicht unbedingt gesteigert.

Die Charaktere bleiben allesamt sehr flach, es wird bestenfalls an der Oberfläche gekratzt. Selbst Nathan als Protagonist macht da keine Ausnahme.
Wie bereits erwähnt, besitzt er ein sehr schlichtes Gemüt. Er hinkt mit seiner Entwicklung in vielerlei Hinsicht weit hinterher, leidet zum Beispiel unter einer Leseschwäche, wohingegen er in manch anderer Weise frühreif ist. So zwingen ihn die Umstände dazu, verantwortungsvolle und harte Entscheidungen treffen, die selbst einem Erwachsenen schwer fallen würde. Kurz gesagt: er muss mehr als einmal um sein Leben kämpfen. Warum? Weil er ein Halbblut ist. Sein Vater ist der mächtigste und gefährlichste schwarze Hexer, den Nathans Welt je gesehen hat, wohingegen seine Mutter eine typische weiße Hexe war. Die Schmach, von diesem Alptraum ein Kind zu bekommen, brachte sie sogar dazu, sich umzubringen. Seit seiner Geburt wird Nathan ausgegrenzt, beleidigt, geschlagen und gefoltert. Selbst Teile seiner eigenen Familie hassen ihn und die Gesellschaft versucht, ihn zu brechen. Dabei will er nichts anderes als gut zu sein, aber ist das überhaupt möglich? Definieren seine Gene sein Schicksal? Oder drängen ihn vielleicht die weißen Hexen in die Arme seines Vaters, indem sie ihn so misshandeln?

Um diese und einige weitere Fragen dreht sich die ganze Geschichte. Natürlich passiert auch das ein oder andere, aber letztlich läuft es doch immer wieder auf Probleme der Ethik und Moral hinaus, die nicht nur die Charaktere, sondern vor allem den Leser beschäftigen werden. So kann man getrost behaupten, dass Green sich nicht nur mit einer neuen Idee und einem hübschen Cover von der Masse abhebt -  nein, es ist der mal mehr, mal weniger implizierte Dialog mit dem Leser, der diesen Roman ausmacht. Ihre Gesellschaftskritik lässt sich natürlich auch auf die Realität projizieren, was das Ganze nur umso spannender macht.

Leider bedeutet diese Tiefe nicht, dass es jedem gefallen muss. Ganz im Gegenteil polarisiert dieser Roman – und ich gehöre leider nicht zur begeisterten Partei. Ich bin so daran gewöhnt, kein Buch abzubrechen, dass ich normalerweise nicht einmal darüber nachdenke, aber bei Half Bad war dieser Gedanke mein ständiger Begleiter. Abgesehen von den wenigen temporeichen und spannenden Stellen, musste ich mich richtig zum Lesen zwingen. Außerdem belastete mich die Grausamkeit, die immer wieder zur Sprache kam. Ich hatte mit einem Gefühlschaos zu kämpfen, das sich daraus ergab, dass ich ob der Ungerechtigkeit am liebsten geweint hätte, aber kein Stück mit Nathan fühlen konnte. Ich verstehe, warum dieser Junge so ist wie er ist, aber ich will mich fallen lassen – in die Geschichte und vor allem in die Figuren. Das blieb mir hier absolut verwehrt.

Es gibt sogar eine ganz zarte Liebesgeschichte, die zwar durchaus ein Mittel zum Zweck ist, aber vor allem ein Zeichen der Hoffnung – wenn auch ein klischeehaftes. Allerdings kann man hier argumentieren, dass man mit Klischees arbeiten muss, um auf das Schubladendenken unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Vielleicht konnte Green es auch einfach nicht besser – ich weiß es nicht.


Alles in allem weiß ich immer noch nicht so genau, was ich von diesem Buch halten soll. Einer der Gründe, warum es auch so lange keine Rezension gab. Nachdem ich mich mit der Hilfe einer anderen Bloggerin abgeregt habe, konnte ich wieder das Positive an diesem Werk sehen, das mich so frustriert zurück gelassen hat. Ob ich allerdings weiterlesen werde, kann ich absolut nicht sagen.

Fazit


Sally Greens „Half Bad – Das Dunkle in mir“ ist ein polarisierender Reihenauftakt, der den Leser nachdenklich zurücklässt. Die Autorin hat eine Welt geschaffen, die man nur in Ansätzen entdecken darf, während der innere Konflikt des jungen Nathan in allen Einzelheiten erörtert wird. Erstaunlich dabei ist, dass trotz dieses Schwerpunktes die Charaktere, allen voran Nathan, enttäuschend blass ausfallen. Alles in allem ist es weniger Fantasy als zum Nachdenken anregend – und lässt mich genauso zwiegespalten zurück wie das Halbblut Nathan. 3/5 Bücher und eine bedingte Empfehlung: lest Euch unbedingt die Leseprobe vorher durch!

Die Autorin

© Mark Allan

Sally Green lebt in Nordengland, hat einen akademischenAbschluss, einen Beruf und bereits in mehreren Jobs (bezahlten und unbezahlten) gearbeitet. Nun hat sie endlich die Zeit gefunden, die Geschichten aufzuschreiben, die sie sich schon immer ausgedacht hat. Sally Green liest gern, mag Wanderungen in der Natur und möchte weniger Kaffee trinken.Half Bad – Das Dunkle in mir ist ihr Debütroman.

Die Reihe

Half Bad Trilogie
  1. Das Dunkle in mir / Half Bad (Half Life Trilogy #1)
  2. ??? / Half Wild (Half Life Trilogy #2)
  3. ??? / ??? (Half Life Trilogy #3)

Weitere Cover

Mein Dank geht an...

...den cbj-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Ich würde absolut nicht sagen, dass Nathan ein "schlichtes Gemüt" hat.. Und ist eine Leseschwäche hinterherhinken? Nicht alle Menschen, die nicht lesen können sind irgendwie zurückgeblieben..Vor seinem Hintergrund kann ich Nathans Charakter super nachvollziehen. Dass das Buch polarisiert kann ich nur unterstreichen, ich glaube, man muss einfach schon mit Menschen wie Nathan zu tun gehabt haben, um die Story wirklich erfassen zu können.
    LG :)

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    1. Ich meinte mit "schlichtes Gemüt" nicht, dass Nathan behindert oder geistig zurückgeblieben ist, aber er ist nun mal nicht der komplexeste Charakter ;) ich sag ja auch, dass ich es verstehen kann, aber es fiel mir nun mal schwer, mich auf ihn einzulassen..ich glaube auch, dass mir die Geschichte besser gefallen hätte, wenn der Schreibstil nicht so quälend gewesen wäre. Ich weiß, dass manche das bestimmt cool fanden, aber mich persönlich haben diese ätzenden Stellen kirre gemacht :D

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