Montag, 12. Oktober 2015

[Rezension] Peter Grant 02 - Schwarzer Mond über Soho von Ben Aaronovitch

Übersetzerin: Christine Blum
Band: 2/6
Dt. Erstausgabe: 01.07.2012
Verlag: dtv
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 416
ISBN-10: 3423213809
ISBN-13: 978-3423213806
Preis: 9,95 €





Constable Peter Grant ist ein ganz normaler Londoner Bobby. Die Abteilung, in der er arbeitet, ist allerdings alles andere als normal: ihr Spezialgebiet ist – die Magie. Peters Vorgesetzter, Detective Inspector Thomas Nightingale, ist der letzte Magier Englands und Peter seit kurzem bei ihm in der Ausbildung.



Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu ...

Meine Meinung

"Schwarzer Mond über Soho" von Ben Aaronovitch ist der zweite Teil der wundervollen Peter Grant Reihe.

Da ich Die Flüsse von London unmittelbar vorher gelesen habe, fiel mir der Einstieg in die Geschichte natürlich leicht. Im Grunde könnte man sogar sagen, dass ich nie "ausgestiegen" bin, was noch dadurch verstärkt wird, dass Schwarzer Mond über Soho nahtlos an seinen Vorgänger anknüpft. Ich war also gleich wieder mittendrin und konnte freudig durchstarten, aber auch Leser, die längere Pausen zwischen den einzelnen Bänden einlegen, sollten keinerlei Probleme haben. Der Autor verweist immer wieder auf die vorigen Geschehnissen, gibt kurze Erklärungen ab und nimmt dabei dann direkt wieder den Faden auf. So mag es zwar etwas nervig sein, öfter mal dasselbe erklärt zu bekommen, aber es ist auch notwendig, weil es bei dieser Reihe einfach keine unnützen Informationen gibt - auch wenn es oft auf den ersten Blick so wirken mag.

Ich empfand es schon als überaus beeindruckend wie all die kleinen und großen Handlungsstränge in Die Flüsse von London am Ende zusammenkamen. Viele Szenen, denen man keinerlei Mehrwert zugestanden hat, fanden in der großen Auflösung eine Erklärung. Nun war ich natürlich gespannt, wie die wenigen offenen Handlungsstränge im Folgeband mit dem kommenden Fall verknüpft werden würden und wurde gleich überrascht, denn Peter Grant muss sich nicht nur mit einem, sondern gleich mit zwei (!) Fällen auseinandersetzen. Und selbst bei diesen grundverschiedenen Fällen, die den größten Teil unabhängig voneinander parallel verlaufen, kommt es zu Überschneidungen. Man sollte also auch dieses Mal wieder aufmerksam lesen!

Allzu anstrengend sollte das allerdings nicht sein, immerhin lockert Peter noch die schlimmste Situation mit seinem schwarzen Humor wieder auf. Dadurch dass der Fokus auf die Jazz-Musik gelegt wird, bekommt man tiefere Einblicke in seine Familie und lernt vor allem den Vater besser kennen, über den Peter doch gerne recht zwiespältige Aussagen macht. 

Auch ganz neue Leute treten auf die Bühne, dafür treten wichtige Figuren wie Lesley und Beverly in den Hintergrund. Das war recht ungewöhnlich, aber wirklich gut gemacht. Außerdem ermöglichte dieser Umstand, dass sich Peter von ganz anderen Seiten zeigen durfte.

Leider war eine dieser Seiten ziemlich hormongesteuert. Nun liegt es wohl am Leser, ob man sich davon nerven lässt oder es einfach so akzeptiert, dass er sich als Mann gerne mal von schönen Frauen ablenken lässt. Ich empfand das eigentlich als ganz erfrischend, weil ich diese aggressiven Bad Boys oder die Quasi-Heiligen ziemlich satt habe. So ist es doch viel authentischer!

Die Geschichte bot wie sein Vorgänger durchweg gute Unterhaltung und konnte immer wieder überraschen. Man muss sich einfach drauf einlassen und auf den ersten Blick unnötige Abzweigungen einfach akzeptieren - im Nachhinein wird es immer eine Erklärung geben.
Ich habe viel gelacht, noch mehr (kennen-)gelernt und spannend wurde es auch. Das Ende hielt dann noch Wendung bereit, die ich nie vorhergesehen hätte und wurde damit zu einem Cliffhanger, der ganz ohne Dramatik auskommt.

Fazit

Ben Aaronovitch's "Schwarzer Mond über Soho" ist eine spannende Fortsetzung, die mich endgültig für die Reihe einnehmen konnte. Die Geschichte knüpft da an, wo Band 1 aufhört; präsentiert uns gleich zwei neue Fälle und verbindet alte wie neue Handlungsstränge auf überraschende Weise. Ich liebe es, wenn sich herausstellt, dass eine auf den ersten Blick "unnütze" Information am Ende ein entscheidendes Puzzleteil ist. Dass in diesem Band Peters Hormone mit ihm durchgehen, kann zwar nervig sein, machte ihn aber für mich nur authentischer. So reicht es auch dieses Mal nicht ganz für die volle Punktzahl, aber definitiv für eine Empfehlung: sehr gute 4/5 Bücher!

Der Autor


Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie 'Doctor Who' verfasst), arbeitet er als Buchhändler. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.

Die Reihe

  1. Die Flüsse von London / Rivers of London (Peter Grant #1)
  2. Schwarzer Mond über Soho / Moon Over Soho (Peter Grant #2)
  3. Ein Wispern unter Baker Street / Whispers Under Ground (Peter Grant #3)
  4. Der böse Ort / Broken Homes (Peter Grant #4)
  5. Fingerhut-Sommer / Foxglove Summer (Peter Grant #5)
  6. ??? / The Hanging Tree (Peter Grant #6)
Wissenswert: Laut Aussage des Autors wird die Reihe so lange fortgesetzt, bis er stirbt oder ihm die Ideen ausgehen. Sollte Euch das jetzt abschrecken, lasst Euch eines gesagt sein: wenn es eine Reihe gibt, die man endlos weiterführen könnte, dann ist es diese!


Für mehr Informationen lohnt es sich, bei der Verlagsseite vorbeizuschauen. Dort findet Ihr ein wundervolles Special mit vielen Informationen zur Reihe, den Charakteren und mehr.


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Originalcover

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