Dienstag, 23. September 2014

[Rezension] Wild Cards 01 - Das Spiel der Spiele von George R. R. Martin

© Penhaligon
Der Herausgeber: George R. R. Martin
Dt. Reihentitel: Wild Cards
Dt. Erstausgabe: 08/2014
Verlag: Penhaligon
Format: Paperback
Seitenzahl: 544
ISBN-10: 3764531274
ISBN-13: 978-3764531270
Preis: 15,00 €

Die Leseprobe findet Ihr hier.







Seit sich in den Vierzigerjahren das Wild-Card-Virus ausgebreitet hat und Menschen mutieren lässt, gibt es neben den normalen Menschen auch Joker und Asse. Joker weisen lediglich körperliche Veränderungen auf, während Asse besondere Superkräfte besitzen. Da ist zum Beispiel Jonathan Hive, der sich in einen Wespenschwarm verwandeln kann, oder Lohengrin, der eine undurchdringliche Rüstung heraufbeschwört. Doch wer ist Amerikas größter Held? Diese Frage soll American Hero, die neueste Casting Show im Fernsehen, endlich klären. Für die Kandidaten geht es um Ruhm und um so viel Geld, dass sie beinahe zu spät erkennen, was wahre Helden ausmacht.



Eigene Meinung

"Wild Cards - Das Spiel der Spiele", herausgegeben von George R. R. Martin, und geschrieben von insgesamt 9 Autoren, ist zwar bestimmt kein Buch für jedermann, aber dafür ein Roman, dem zumindest jeder Interessent eine Chance geben sollte.

Ich weiß gar nicht mehr genau, was mich so gereizt hat. Natürlich war da dieser große Name, der mich erstmals aufmerksam gemacht hat, aber schnell war klar, dass Martin eben nicht der alleinige Autor ist. Die Beschreibung, dass es eine Sammlung von Kurzgeschichten sei, ist ziemlich irreführend und schreckt bestimmt den ein oder anderen Leser ab. Denn auch wenn die Autoren sich Kapitelweise abwechseln, ist es prinzipiell ein ganz normaler Roman - nur mit außergewöhnlich vielen Protagonisten und Perspektiven. Letztlich war es also wohl die Idee, die dieses Buch für mich zu einem Must-Have gemacht hat. Superhelden sind dieses Jahr genau mein Ding und darüber bin ich sehr froh, denn sonst hätte ich mir diesen Roman vielleicht entgehen - oder im Regal verstauben lassen.

9 verschiedene Autoren bedeuten 9 verschiedene Schreibstile, aber witzigerweise fielen mir die Unterschiede kaum auf. Es waren wohl eher die jeweiligen Charaktere, die dafür sorgten, dass mir das eine Kapitel vielleicht besser gefallen hat als das andere. Abgesehen von Jonathan Hives Blog-Einträgen (meine persönlichen Highlights des Romans) wird die Geschichte im personalen Erzählstil geschildert.

Wie bereits erwähnt: Charaktere gibt es viele. Zu Anfang haben wir die 28 Kandidaten, dazu noch etwas mehr als eine Handvoll wichtiger Angestellte von American Hero. Desweiteren kommen noch berühmte Asse als Gäste der Show hinzu, Familienangehörige und natürlich diverse Figuren, die im zweiten Handlungsstrang eine Rolle spielen. Klingt völlig unüberschaubar, ist aber tatsächlich machbar. Schwierig wird es erst, wenn man bei den jeweiligen Assen noch die Künstlernamen und Fähigkeiten hinzunimmt. Man kriegt zwar die offizielle Ankündigung von American Hero zu Gesicht, die allerdings teilweise etwas kryptisch ist. Generell wäre ein Glossar wirklich hilfreich gewesen!

Witzigerweise war mein Favorit ausgerechnet Jonathan Hive. Das ist witzig, weil er bei den anderen Teilnehmern unfassbar unbeliebt war. Das lag vor allem daran, dass er sich immer etwas distanziert hat und meist nur "coole" Sprüche geklopft hat. Für ihn war alles Futter für sein Blog oder später für sein Buch und so hat er auch fast jede Szene beobachtet. Nichtsdestrotz mochte ich genau diese Art. Mir gefiel seine Ausdrucksweise und die Art wie er die Welt sieht. Außerdem war er immer wieder für einen Lacher gut.

Lohengrin, das deutsche Ass, das auch auf dem Cover abgebildet ist, hat mir auch super gefallen. Ich beäuge immer sehr kritisch, wie wir Deutschen im Fernsehen oder in Büchern dargestellt werden und so war ich wirklich erleichtert als ich feststellen durfte, dass Martin zwar durchaus mit Klischees um sich geworfen hat, diese aber irgendwie liebenswert waren. Lohengrin trägt als Ass nicht nur eine Rüstung, er redet und denkt auch wie ein Ritter der Artusrunde. Zugegeben der Bezug zur Artusrunde passt nicht wirklich zu einem deutschen Ritter, aber lieber so als ein Nazi-Ass vorgesetzt zu bekommen, oder? 

Generell war es gleichzeitig süß und unfassbar witzig, Lohengrin zu begleiten. Der Typ ist so unglaublich tugendhaft und durchaus auch naiv, dass man sich normalerweise fragen müsste, wie er so lange überlebt hat - glücklicherweise hat er ja seine Rüstung aus Geisterstahl.

Die Geschichte verlief dann ganz anders als erwartet. Natürlich fragt man sich schon am Anfang wie der Anschlag auf das Kalifat in Ägypten mit American Hero zusammenhängt, verliert diesen Gedanken aber aus den "Augen", wenn die Show so richtig losgeht. Schnell habe ich mich dem Sog von Intrigen, Liebschaften und dem ganzen Drumherum hingegeben und konnte dann fast schon froh sein, dass ich mit dem Rauswurf liebgewonnener Charaktere selbst wieder in die Realität zurück fand. Mit wieder klarem Blick durfte ich dann bewundern, wie die Autoren erst stückchenweise den zweiten Handlungsstrang hervortreten ließen, nur um diesen dann auf überraschenderweise mit den losen Fäden des anderen zu verbinden. Plötzlich befindet man sich nicht mehr in Hollywood, sondern im Krieg und dieser Übergang war so flüssig, dass es mich überhaupt nicht gestört hat.

Auch wenn Martin nicht der alleinige Autor ist, bleibt er seinem Ruf trotzdem treu: auch in Wild Cards ist kein Protagonist vor dem Tode sicher.

Alles in allem hat dieser Roman wirklich alles zu bieten und überrascht mit einer Tiefgründigkeit, die ich so tatsächlich nicht erwartet hätte. Die erste Hälfte ist einfach nur amüsante Unterhaltung, aber danach ist irgendwie einfach alles möglich. Ich habe gelacht, zwischendurch ein Tränchen unterdrückt, war geschockt, berührt und hatte auch mal kurz eine Gänsehaut. Die Frage nach wahrem Heldentum wird aussagekräftig beantwortet und jeder sollte selbst herausfinden, was diese Autoren damit meinen.

Fazit

"Wild Cards - Das Spiel der Spiele" ist für mich eine klare Empfehlung! Dieser Roman ist ganz anders als erwartet und gerade das konnte mich so begeistern. Lasst Euch nicht von den verschiedenen Autoren, den unzähligen Charakteren und der überraschenden Tiefgründigkeit abschrecken, sondern gebt diesem Buch eine Chance und lasst Euch einfach fallen. 5/5 Bücher!

Der Autor

George R.R. Martin, 1948 in Bayonne/New Jersey geboren, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Science-Fiction-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Danach arbeitete er in der Produktion von Fernsehserien, etwa als Dramaturg der TV-Serie "Twilight Zone", ehe er 1996 mit einem Sensationserfolg auf die Bühne der Fantasy-Literatur zurückkehrte: Sein mehrteiliges Epos "Das Lied von Eis und Feuer" wird einhellig als Meisterwerk gepriesen. George R.R. Martin lebt in Santa Fe, New Mexico.

Die Reihe

Wild Cards Reihe

  1. Das Spiel der Spiele / Wild Cards (Wild Cards #1)
  2. ??? / Aces High (Wild Cards #2)
  3. ??? / Jokers Wild (Wild Cards #3)
  4. ??? / Aces Abroad (Wild Cards #4)
  5. ??? / Down and Dirty (Wild Cards #5)
  6. ??? / Ace in the Hole (Wild Cards #6)
  7. ??? / Dead Man's Hand (Wild Cards #7)
  8. ??? / One-Eyed Jacks (Wild Cards #8)
  9. ??? / Jokertown Shuffle (Wild Cards #9)
  10. ??? / Double Solitaire (Wild Cards #10)
  11. ??? / Dealer's Choice (Wild Cards #11)
  12. ??? / Turn of the Cards (Wild Cards #12)
  13. ??? / Card Sharks (Wild Cards #13)
  14. ??? / Marked Cards (Wild Cards #14)
  15. ??? / Black Trump (Wild Cards #15)
  16. ??? / Deuces Down (Wild Cards #16)
  17. ??? / Death Draws Five (Wild Cards #17)
  18. ??? / Inside Straight (Wild Cards #18)
  19. ??? / Busted Flush (Wild Cards #19)
  20. ??? / Suicide Kings (Wild Cards #20)
  21. ??? / Fort Freak (Wild Cards #21)
  22. ??? / Lowball (Wild Cards #22)

Originalcover

Mein Dank geht an...

...den Penhaligon Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Das Buch ist bei mir auch ein riesiges MUST-HAVE! Ein so interessanter und neuer Ansatz kann nur begeistern :D
    Aber ich wusste zB nicht, dass es auch tatsächlich von 9 verschiedenen Autoren geschrieben wurde, sehr experimentiell, da muss ich sehen, wie ich klar komme, wenn ich es dann lese^^
    Ich finde es auch immer schade, wenn Deutsche so stark vorurteilsbehaftet sind, aber gut, dass das deutsche Ass anscheinend eher liebenswert war

    Liebste Grüße ♥

    P.S. WIRKLICH 20 Teile? Und dabei ist doch der erste schon so dick, oh nein das kann was werden.....

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  2. Hallo (:

    oh mein Gott, die Reihe soll soooo viele Teile haben? Da werde ich wohl dieses Mal nicht warten können, die Reihe zu lesen, bis alle Teile erschienen sind. :D
    Mit den deutschen Charakteren in Filmen und Bücher hast du Recht ... da bin ich auch immer etwas kritisch, aber freut mich, dasses hier anders ist. (:

    Liebe Grüße <3

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  3. Die Wild Cards Reihe ist hier nicht ganz korrekt. "Wild Cards - Das Spiel der Spiele" entspricht dem englischen Original "Wild Cards - Inside Straight".

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