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Freitag, 18. Oktober 2013

[Rezension] Die Tochter eines Arztes von Martina Frey

© Dryas Verlag
Autorin: Martina Frey
Dt. Titel: Die Tochter eines Arztes
Dt. Erstausgabe: 09/2013
Verlag: Dryas
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 399
ISBN-10: 3940855421
ISBN-13: 978-3940855428
Preis: 9,50 €





Kaufen könnt Ihr das Buch gleich hier.

Die Leseprobe findet Ihr hier.

Man schreibt das Jahr der badischen Revolution, 1848, als sich die wohlbehütete Arzttochter Eugenia in den Bauernsohn Matthias verliebt. Doch die gesellschaftlichen Unterschiede lassen ihre Liebe unmöglich erscheinen. Matthias' verzweifelter Versuch, seine Familie durch Wilderei vor dem Verhungern zu bewahren, führt zur Katastrophe. Schließlich erscheint es in den Revolutionswirren unmöglich für Eugenia, ihr Glück doch noch zu finden. 

Inhalt

Eugenia ist frustriert. Sie versteht einfach nicht, warum sich ihr Vater dazu entschieden hat, aus Augsburg wegzuziehen. Nun langweilt sie sich in dem kleinen Dorf zu Tode und die Bauerntrampel, die sie umgeben, sind eh nur ungehobelte Trottel. Zumindest ist es das, was sie sich einredet als sie immer stärkere Gefühle für den Bauerssohn Matthias entwickelt. Dabei weiß sie genau, dass eine Heirat unter ihrem Stand nicht infrage kommt, doch das ist nicht das Einzige, das zwischen ihr und ihrem Glück steht...

Eigene Meinung

"Die Tochter eines Arztes" von Martina Frey ist ein solider historischer Roman, der mich leider nicht packen konnte.

Der Schreibstil überzeugt durch Freys sorgfältiger Wortwahl und der Anpassung an die damalige Zeit. Leider wirkt dieser dadurch aber auch sehr trocken und ich konnte mich einfach nicht in die Geschichte fallen lassen. Das Geschehen wird von einem auktorialen Erzähler geschildert, wodurch man zwar Einblicke in alle Figuren, aber keinen wirklichen Draht zu ihnen, kriegt.

Die Charaktere spiegeln wunderbar den Umbruch und Widerspruch der damaligen Zeit wieder. Vor allem die jüngere Generation ist in diesem Konflikt gefangen. Man merkt ihnen die jeweilige Erziehung und die damit einhergehenden Wertvorstellungen an, gleichzeitig entwickeln sie Träume, für die sie zu kämpfen bereit sind. So ist Eugenia in dem Glauben aufgewachsen, dass eine Frau zuerst ihrem Vater und dann ihrem künftigen Gatten zu gehorchen hat. Ihr Ziel muss es sein, standesgemäß zu heiraten, Kinder zu gebären und ihren Mann glücklich zu machen. Doch Eugenia möchte gerne Ärztin werden und ihre eigene Meinung vertreten. Dass sie tatsächlich damit beginnt, zumindest im kleinen Rahmen ihre Träume zu verwirklichen, hat sie ihrem Bruder zu verdanken, der eben nicht Medizin studieren will, obwohl sein Vater es von ihm erwartet. Dass sie in dem Dorf, in dem sie jetzt lebt, hautnah miterlebt wie Menschen hungern während sie eine prall gefüllte Speisekammer haben, tut sein Übriges, um ihre rebellische Ader zu fördern. 

Die Geschichte fängt den damaligen Zeitgeist gekonnt ein und historisch gesehen gibt es nichts zu bemängeln. Die Charaktere sind authentisch und die Fakten genau. Leider ist die Ausgangsproblematik ziemlich lückenhaft. Im Prolog wird der Grundstein für die kommende Geschichte gelegt, doch schon da beginnt dieser zu bröckeln. Ich kann nicht sagen, ob es Absicht war oder ob Frau Frey einfach keine passende Krankheit einfiel, aber schließlich läuft es immer wieder darauf hinaus, dass die medizinischen Themen allesamt enttäuschend waren. Wenn die Medizin eine so große Rolle spielt, sollte auch diese authentisch und korrekt recherchiert sein. 

Das Cover ist sehr schön, hat für mich aber nicht so viel mit der Geschichte zu tun.

Fazit

Martina Freys "Die Tochter eines Arztes" ist ein guter historischer Roman, dessen Grundidee leider einige Schwächen hat. Frey versteht es, den Geist der damaligen Zeit einzufangen und ist historisch korrekt. Allerdings spielt die Medizin eine große Rolle und die dazugehörigen Erklärungen sind leider mehr als schwammig. Dafür sind die Charaktere sehr authentisch und spiegeln den Konflikt der damaligen Zeit wieder. Alles in allem konnte mich dieser Roman dennoch nicht packen, deshalb vergebe ich 3/5 Bücher.

Die Autorin

Martina Frey, geboren 1971 in Wiesbaden, begann bereits in der Schule, Geschichten zu verfassen. Inzwischen schreibt sie seit vielen Jahren historische Romane, zuletzt ist im Dryas Verlag ihr Buch „Die Schwestern von Sunneck“ erschienen. Mehr unter www.martina-frey.de

Weitere Bücher

  • Die Tränen der Irminsul
  • Der letzte Kampf der Roderick MacKenzie 
  • Die Schwestern von Sunneck

Mein Dank geht an...

...den Dryas Verlag und Blogg Dein Buch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Sonntag, 11. August 2013

[Rezension] Verschwörung im Zeughaus von Petra Schier

© rororo
Autorin: Petra Schier
Die Reihe: Adelina Reihe
Dt. Titel: Verschwörung im Zeughaus
Dt. Erstausgabe: 07/2013
Verlag: rororo
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 352
ISBN-10: 3499259222
ISBN-13: 978-3499259227
Preis: 9,99 €




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Die Leseprobe findet Ihr hier.

Ein spannender Kriminalroman, eingebettet in das fabenprächtige Gemälde des mittelalterlichen Köln. Im frühen Dämmerlicht, als die Stadt zum Leben erwacht, nähert sich verstohlen eine Gestalt dem Haus von Apothekerin Adelina: Ihr Bruder Tilmann - schwer verwundet. Der Hauptmann der Kölner Stadtgarde kann nur noch ein paar Worte stammeln, bevor er zusammenbricht. Die zweite Begegnung an diesem Morgen ist nicht weniger verstörend für Adelina: Ihr Bruder wird wegen Mordes gesucht. Von einer Verschwörung ist die Rede, im Zeughaus wurde eine Leiche gefunden, neben ihr Tilmanns Dolch. Was ist geschehen? Während Tilmann mit dem Tode ringt, kämpft Adelina ihren eigenen Kampf: Soll sie den ungeliebten Bruder verraten, um ihre Familie zu schützen? 

Inhalt

In Adelinas Leben scheint endlich etwas Ruhe eingekehrt zu sein, allerdings hält diese wieder einmal nicht lange an. Als eines Tages ihr Bruder, Hauptmann Greverode, schwer verwundet und angeklagt wegen Mordes vor ihrer Tür steht, wird ihr klar, dass sie auch dieses Mal selbst ermitteln muss, um die Unschuld ihrer Familie zu beweisen...

Eigene Meinung

"Verschwörung im Zeughaus" von Petra Schier ist der fünfte Teil ihrer Adelina-Reihe. Auch dieser Band zog mich schnell in seinen Bann und ließ sich ohne Komplikationen lesen, obwohl ich bisher nur den zweiten Band dieser Reihe gelesen hatte.

Der Schreibstil ist gewohnt locker und leicht. Vor allem für einen historischen Roman ist die Ausdrucksweise sehr "frisch", gleichzeitig aber immer noch zeitgemäß. Erzählt wird die Geschichte im personalen Erzählstil aus Sicht von Adelina, Mira und Tillmann.

Die Charaktere sind einfach liebenswürdig. Die Familie Burka ist ein kunterbunter Haufen, der dem Leser immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ausdrucksstarke Persönlichkeiten und emanzipierte Frauen, die ihrer Zeit voraus zu sein scheinen, machen das Lesen zum Vergnügen.

Die Geschichte bietet Spannung, Liebe und ein tolles historisches Setting. Dass es dieses Mal mehrere Perspektiven gibt, hatte für mich einen ganz neuen Reiz und die dezente Lovestory war mehr als unterhaltsam. Auch dieses Mal hatte ich recht schnell einen Verdacht und lag damit noch nicht mal so falsch, doch es gibt so viele Verwicklungen, falsche Fährten und Komplikationen, das es nie langweilig wurde.

Es ist immer wieder beeindruckend wie authentisch und bildhaft das Setting geschildert wird. Man hat das Gefühl, selbst durch die Straßen des mittelalterlichen Kölns zu schlendern und auch die Figuren brennen sich förmlich ins Gedächtnis ein.

Fazit

Petra Schiers "Verschwörung im Zeughaus" ist Unterhaltung pur. Man kriegt alles geboten, was man sich von einem historischen Krimi erhofft - und mehr. Liebe, Spannung und eine Prise Humor machen diesen Roman wieder einmal zum reinsten Lesevergnügen. Die Charaktere wachsen dem Leser sofort ans Herz, unzählige falsche Fährten lassen die Spannung kontinuierlich ansteigen und eine dezente Lovestory bietet neben erwartungsvollem Bangen auch eine Menge Lacher. Schier schildert die historischen Begebenheiten authentisch genug, um glaubhaft zu wirken, lässt sie dabei aber ein klein wenig heller strahlen als viele andere Romane dieses Genres. Für mich ist die Adelina-Reihe eine klare Empfehlung und so kann ich auch dieses Mal nur die Höchstpunktzahl geben - 5/5 Bücher!


Die Autorin

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Deutschen Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Lektorin und Autorin.
Ihre historischen Romane erscheinen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ihre Weihnachtsromane bei Rütten & Loening.
Unter dem Pseudonym Mila Roth veröffentlicht die Autorin verlagsunabhängig die Action-Romance E-Book-Serie um den Geheimagenten Markus Neumann und die Zivilistin Janna Berg.

Die Reihe

Adelina Reihe
  1. Tod im Beginenhaus
  2. Verrat im Zunfthaus
  3. Frevel im Beinhaus
  4. Verschwörung im Zeughaus

Mein Dank geht an...

... den Rowohlt Verlag und an Petra Schier für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares, sowie dafür, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte.

Donnerstag, 25. April 2013

[Rezension] Mord im Dirnenhaus (Adelina #2) von Petra Schier

© rororo
Die Autorin: Petra Schier
Die Reihe: Adelina Reihe
Originaltitel: Mord im Dirnenhaus
Dt. Erstausgabe: 02/2007
Verlag: rororo
Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 352
ISBN-10: 3499243296
ISBN-13: 978-3-499-24329-5
Preis: 8,99 €


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Die Leseprobe findet Ihr hier.


Sündige Jungfern, tote Freier und eine scharfsinnige Apothekerin 1396: Köln steht Kopf - ein ehrenwerter Kölner Bürger nach dem anderen wird tot im Dirnenhaus aufgefunden. Der mit dem Fall betraute Ratsherr erinnert sich daran, dass Adelina schon einmal einen Mordfall aufgeklärt hat und bitte sie um Hilfe. Die junge Frau hat gerade die Apotheke ihres Vaters übernommen und eigentlich anderes zu tun, als auf Mörderjagd zu gehen. Sie lässt sich jedoch erweichen - und wird plötzlich selbst zur Hauptverdächtigen ...

Inhalt

Im Dirnenhaus „Zur schönen Dame“ wird eine Leiche gefunden. Die Todesursache ist klar, aber der Tathergang bereitet den Ratsherren Kopfzerbrechen. Um Rat suchend, wendet Herr Reese sich an Adelina, die zwar durchaus gewillt ist, zu helfen, jedoch auf keinen Fall in die Untersuchung mit reingezogen werden will. Dafür hat sie genug Probleme in ihrem eigenen Haushalt. Als jedoch eine zweite Leiche auftaucht, wird Adelina selbst des Mordes bezichtigt und so muss sie auch dieses Mal beweisen, wer der wahre Täter ist…

Eigene Meinung


Mord im Dirnenhaus“ von Petra Schier war mein erster historischer Roman in diesem Jahr und hat mich wieder daran erinnert, warum ich dieses Genre so mag.

Im personalen Erzählstil in der dritten Person wird dem Leser das Treiben im Köln des 14. Jahrhunderts präsentiert. Auch in diesem Buch trifft Schier die Mitte zwischen Authenzität und angenehmen Sprachgebrauch. Viele historische Romane tendieren dazu, trocken und langatmig zu werden, aber hier fliegen die Seiten nur so dahin.

Die Charaktere sind individuell und vielseitig. Von ihren Ansichten und Gedanken sind sie der Zeit angemessen und doch scheint gerade die Protagonistin ihrer Zeit voraus zu sein.

Die Geschichte ist einfach gelungen. Zu Anfang hatte ich so meine Zweifel, ob ich gut in die Geschichte kommen würde, immerhin hatte ich den ersten Band der Reihe „Tod im Beginenhaus“ noch nicht gelesen. Schnell war aber klar, dass das keinerlei Probleme darstellt, vielmehr wurde man durch die wenigen Anspielungen auf den Vorgängerband nur neugieriger.

Adelina ist eine starke Persönlichkeit, die es vor allem den weiblichen Lesern leicht macht, sich in sie hinein zu versetzen. Für die Verhältnisse ihrer Zeit ist sie richtiggehend emanzipiert und ist in einer soliden Beziehung, die auf Liebe beruht. Eine Wohltat für meine Seele! Die Reife und Akzeptanz, die Adelina und ihr Mann Neklas, immer wieder beweisen, sind bewundernswert und steigern mein persönliches Lesevergnügen umso mehr.

Die kriminalistischen Stellen machen zwar einen Großteil des Reizes aus, stehen aber weit weniger im Vordergrund als der Leser vermutet. Rückblickend muss ich zugeben, dass ein aufmerksamer Leser den Täter vorzeitig identifizieren kann, allerdings wird das Lesevergnügen nicht mal dadurch geschmälert, weil sich die Geschichte dieses historischen Krimis auch ohne den Krimianteil tragen würde.

Das Cover find ich persönlich zwar nicht ansprechend, aber es passt zum Buch und spiegelt einige Aspekte des Romanes wieder.

Fazit


Petra Schiers "Mord im Dirnenhaus" konnte mich begeistern, obwohl ich nicht einmal den Vorgängerband kannte. Eine starke Protagonistin und vielseitige Nebencharaktere tragen die Geschichte und es wird vor allem den weiblichen Lesern leicht fallen, sich in Adelina hinein zu versetzen. Die Aufklärung des Mordes ist spannend und auch an anderen Stellen wird man überrascht. Frau Schier schafft es, auch diesen historischen Roman authentisch darzustellen, ohne dabei zu überspitzt oder gar trocken zu wirken. 5/5 Bücher!

Die Autorin


Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Deutschen Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Lektorin und Autorin.
Ihre historischen Romane erscheinen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ihre Weihnachtsromane bei Rütten & Loening.
Unter dem Pseudonym Mila Roth veröffentlicht die Autorin verlagsunabhängig die Action-Romance E-Book-Serie um den Geheimagenten Markus Neumann und die Zivilistin Janna Berg.

Die Reihe

Adelina Reihe
  1. Tod im Beginenhaus
  2. Mord im Dirnenhaus
  3. Verrat im Zunfthaus
  4. Frevel im Beinhaus
  5. Verschwörung im Zeughaus (erscheint im Juli 2013)

Mein Dank geht an...

... den Rowohlt Verlag und an Petra Schier für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares, sowie dafür, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte.

Sonntag, 26. August 2012

[Rezension] Das Haus in der Löwengasse von Petra Schier

© Rowohlt Verlag
Autorin: Petra Schier
Dt. Titel: Das Haus in der Löwengasse
Dt. Erstausgabe: 09/2012
Verlag: rororo
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 350
ISBN-10: 349925901X
ISBN-13: 978-3-499-25901-2
Preis: 8,99 €






Nur das Schicksal kennt ihren Weg. Pauline Schmitz ist Waise. Nach dem Tod ihres Onkels auf sich gestellt, findet die junge Frau eine Anstellung als Gouvernante in Bonn. Der Hausherr hat Hintergedanken: Als sich Pauline gegen seine Nachstellungen zur Wehr setzt, steht sie plötzlich auf der Straße – mit nicht mehr, als in einen Koffer passt. Mittellos und ohne Beziehungen droht Pauline das Schlimmste. Dann kommt ihr das Glück zu Hilfe: Der Kölner Textilfabrikant Reuther nimmt sie in seine Dienste. Und er verliebt sich in sie. Doch Julius Reuther braucht eine Frau mit Geld, will er sein Unternehmen retten. Und Pauline muss sich entscheiden: Folgt sie ihrem Herzen und lebt ein Leben als Mätresse im Verborgenen? Oder geht sie ihren eigenen Weg?

Inhalt

Pauline Schmitz hat es nicht leicht. Nach dem Tod ihrer Eltern wurde sie von ihrem Onkel großgezogen, der jedoch starb bevor er sie verheiraten konnte. Um über die Runden zu kommen, nimmt sie eine Anstellung als Gouvernante an doch der Hausherr will weit mehr von ihr, als dass sie nur seine Kinder erzieht. Als die Hausherrin Wind davon bekommt, führt es zu einem Skandal und sie muss die Stadt verlassen. 
In Köln scheint ihr das Glück wieder hold zu sein, denn sie wird als Magd eingestellt. Allerdings ist das Leben als Magd sehr hart und für ein Mädchen aus ehemals gutem Hause ist das ein ganz schöner Abstieg. Wie es der Zufall so will, erwischt Julius Reuther sie dabei, wie sie bei einem gesellschaftlichem Anlass seinen Sohn eine Standpauke hält. Begeistert von ihrem Umgang mit Kindern stellt er sie als Gouvernante ein. Alles scheint perfekt bis sich Pauline in Julius verliebt..

Charaktere

Pauline Schmitz ist gerade Mitte zwanzig und hat mehr Erfahrung als so manche ältere Menschen. Nach dem Tod ihrer Eltern, lebte sie bei ihrem Onkel, der ihr Bildung gewährte, die sonst nur Männern zusteht. Ebenso wurde an ihren Manieren gefeilt und sie ist mehr als tugendhaft. Doch als auch ihren Onkel der Tod ereilte, musste sie sich einen Job als Gouvernante nehmen. Ihre guten Manieren kamen ihr sehr zupass doch die zu Anfang noch harmlosen Avancen ihres Arbeitgebers gipfelten in einen Skandal, der sie traumatisiert hat. Am Boden angekommen muss sie sich vor allem selbst davon überzeugen, dass sie stark genug ist, um weiterzuleben. Die folgende Anstellung als Magd hat ihr einen ganze neuen Blickwinkel verschafft, weil sie die harte Arbeit, die das Dienstpersonal verrichten muss, am eigenen Leib zu spüren bekommt. Die Arbeit wirkt desillusionierend und sie wird sich darüber im Klaren, wie wenig Frauen in ihrer Gesellschaft auf die Welt vorbereitet werden. Leider stellt sie ein Talent zur Schau, das sie immer wieder in scheinbar ausweglose Situationen bringt. Im Hause Reuther entdeckt sie ihr Selbstbewusstsein wieder und entwickelt sich von einem naiven Mädchen zu einer starken Frau, die keine Probleme hat, einem wütenden Mann Paroli zu bieten.

Julius Reuther hat eine ebenso bewegte Vergangenheit wie Pauline. In der Gesellschaft wird er als Emporkömmling bezeichnet, da sich seine Familie die Firma und den damit einhergehenden Status hart erarbeitet hat, anstatt von Geburt an zur Oberschicht zu gehören. Seine erste Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen, war arrangiert und kam beiden Familien zupass. Die Familie Reuther verfügte nun über ein ausreichendes Budget, um zu expandieren und die Familie seiner Frau konnte ihre Tochter verheiraten, die unter manischen Depressionen litt. Leider wusste Julius nichts davon und ist an seiner Ehe beinahe kaputt gegangen. Als seine Ex Selbstmord beging war das beinahe das gesellschaftliche Aus, aber Reuther ließ sich seinen inneren Aufruhr nicht anmerken und trug das augenscheinlich mit Fassung. Leider besteht seine Art der Verarbeitung darin, dass er sich in sich zurückzieht und eine Mauer aufgebaut hat, die jeden, einschließlich seiner Kinder auf Distanz hält.

Eigene Meinung

"Das Haus in der Löwengasse" von Petra Schier ist ein historischer Roman, der ganz nach meinem Geschmack ist. Er skizziert drei wichtige Lebensabschnitte der Protagonistin, wobei einer mittels Erinnerungen und Träumen dargestellt wird. Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler berichtet, wobei er zwischen Julius und Paulines Sicht hin- und her wechselt. Die Handlung ist klar strukturiert, der Schreibstil flüssig und bildlich. Gefühle werden ebenso gut beschrieben wie das Aussehen der Charaktere und Orte, an denen das Geschehen stattfindet. Die Sprache ist sehr authentisch. So werden sowohl der Kölscher Dialekt, als auch eine zeitgemäße Wortwahl verwendet.

Generell liest sich der Roman gut. Er hat zwar nicht diesen typischen Pageturner-Effekt, sodass die Seiten "dahin fliegen", aber das ist gar nicht schlimm, denn man sollte sich die Zeit nehmen, um vielleicht auch noch das ein- oder andere zu lernen.

Zu Anfang hatte ich Schwierigkeiten, mich in die Figur von Pauline hinein zu versetzen. Sie war sowohl physisch als auch psychisch klein und schwach. Ziemlich zimperlich und total naiv. Doch sobald sie die Stelle als Gouvernante im Haus von Julius Reuther angenommen hat, wächst sie über sich hinaus. Parallel zur Entwicklung der Protagonisten, nimmt auch die Handlung an Fahrt auf.

Neben der Liebesgeschichte herrscht auch die Frage, wer Schuld am Niedergang der Firma Reuther ist. Man wird immer wieder auf eine falsche Fährte gelockt und bangt nebenher um das Liebensleben von Julius und Pauline.

Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass sich der Mann zuerst verliebt hat und letztlich die Initiative ergriffen hat. Dass er die Leidenschaft aufbrachte, um alles für sie zu opfern und um sie zu kämpfen, wohingegen sie die Rationale war.

Die Gestaltung des Buches ist angepasst an den Inhalt. Auf dem Coversieht man einen Ausschnitt vom Haus in der Löwengasse, somit also passend zum Titel und der Geschichte. Die Farben sind klassisch für einen historischen Roman in erdigen Tönen gehalten.

Fazit

Das Haus in der Löwengasse von Petra Schier ein klassischer historischer Roman, der eine Liebesgeschichte mit minimalen kriminalistischen Zügen vereint. Ganz klare Leseempfehlung!

Die Autorin

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Deutschen Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Lektorin und Autorin.
Ihre historischen Romane erscheinen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ihre Weihnachtsromane bei Rütten & Loening.
Unter dem Pseudonym Mila Roth veröffentlicht die Autorin verlagsunabhängig die Action-Romance E-Book-Serie um den Geheimagenten Markus Neumann und die Zivilistin Janna Berg.

Weitere Bücher

Adelina Reihe
  1. Tod im Beginenhaus
  2. Mord im Dirnenhaus
  3. Verrat im Zunfthaus
  4. Frevel im Beinhaus
  5. Verschwörung im Zeughaus


Aachen Trilogie
  1. Die Stadt der Heiligen
  2. Der gläserne Schrein
  3. Das silberne Zeichen
Kreuz Trilogie
  1. Die Eifelgräfin
  2. Die Gewürzhändlerin
  3. Die Bastardtochter (erscheint im September 2015)
Spionin wider Willen
  1. Spionin wider Willen
  2. Von Flöhen und Mäusen
  3. Freifahrtschein
  4. Operation Maulwurf
  5. Katzenfische
Weihnachtsromane
  • Ein Weihnachtshund auf Probe
  • Ein Weihnachtsengel auf vier Pfoten
  • Suche Weihnachtsmann - biete Hund
  • Vier Pfoten unterm Weihnachtsbaum
  • Vier Pfoten und das Weihnachtsglück
  • Der himmlische Weihnachtshund
  • Ein Weihnachtshund für alle Fälle
Weitere historische Romane
  • Das Haus in der Löwengasse
  • Der Hexenschöffe (erscheint im Oktober 2014)

Mein Dank geht an...

...Petra Schier für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
 
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