Donnerstag, 28. August 2014

[Rezension] Bis zum letzten Tropfen von Mindy McGinnis


© Heyne Verlag
Autorin: Mindy McGinnis
Dt. Erstausgabe: 08/2014
Verlag: Heyne fliegt
Format: Hardcover
Seitenzahl: 320
ISBN-10: 3453268970
ISBN-13: 978-3453268975
Preis: 14,99 €




Die Leseprobe findet Ihr hier.

Nach einer Choleraepidemie und dem Zusammenbruch der Zivilisation ist sauberes Wasser das wertvollste Gut. Die sechzehnjährige Lynn hat schon früh gelernt, es um jeden Preis zu verteidigen. Gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnt sie ein einsames Farmhaus und verbringt ihre Tage damit, Brennholz und Nahrung zu beschaffen. Und den Teich hinter dem Haus vor durstigen Eindringlingen zu schützen. Als eines Tages ein Fremder auftaucht und Lynn und ihre Mutter Fußspuren um den Teich herum entdecken, wird ihnen sofort klar, dass jemand ihre geheime Quelle entdeckt hat. Der Ernstfall, auf den Lynn seit Jahren vorbereitet ist, scheint einzutreten. Eigentlich hat sie keine Angst. Doch dann wird ihre Mutter von Kojoten schwer verletzt. Und Lynn muss sich in den umliegenden Siedlungen Hilfe suchen, denn allein kann sie die Farm nicht retten.

Eigene Meinung

"Bis zum letzten Tropfen" von Mindy McGinnis könnte man am besten als eine Dystopie für Zwischendurch bezeichnen - was diesen Roman nicht weniger empfehlenswert macht.

Der Schreibstil ist schlicht und prägnant. Kurze Kapitel, ebenso knappe Sätze und auf den Punkt gebracht Beschreibungen definieren den Roman. Diese Schlichtheit passt natürlich zu der rudimentären Lebensweise und dem "Bildungsstand" der Protagonistin. Erzählt wird die Geschichte im personalen Erzählstil aus der Sicht von Lynn.

Lynn ist eine einzigartige und außergewöhnliche Heldin. Sie ist in einer Welt aufgewachsen, in der sich jeder Tag nur um das nackte Überleben dreht. Um kein Risiko einzugehen, wurde sie kompromisslos erzogen: jeder, der sich dem Weiher nähert, wird erschossen. Ohne Fragen. Ohne Skrupel. Lynn kennt nur ihre Mutter und in gewisser Weise ihren Nachbarn, Stebbs, den sie allerdings nur durch das Fernrohr beobachtet. Trotz ihrer 16 Jahre wirkt Lynn gerade zu Anfang sehr naiv, sehr kindlich. Sie ist logischerweise nie zur Schule gegangen, hat nie andere Kinder kennengelernt, geschweige denn Kontakt zum anderen Geschlecht gehabt. Das Einzige, das ihre Mutter ihr über Männer erzählt hat, ist im Grunde, dass sie alle gefährlich, geradezu böse sind. Lynn hat noch nie Musik gehört, getanzt, weiß weder etwas über Mathe, noch über die Geschichte ihres eigenen Landes. Dafür kann sie Gedichte rezitieren, denn das ist das Einzige, womit sie sich im Winter die Zeit vertreiben kann, wenn die Kälte sie zwingt, sich in ihrem Keller zu verschanzen.

Nach dem Tod ihrer Mutter muss sie aber schnell erkennen, dass anderen zu Helfen und selber Hilfe anzunehmen, gar nicht mal so schlimm ist. Sie findet eine Stütze in ihrem Nachbarn, erlernt Mitgefühl durch ein kleines Mädchen und findet überraschenderweise die Liebe in einer augenscheinlichen Bedrohung. Sie durchläuft eine erstaunliche Entwicklung, die ich auch absolut nachvollziehen konnte.

So dümpelt die Geschichte im Grunde vor sich hin. Es lauert weder andauernde Spannung noch Action an jeder Ecke, dafür wird das Geschehen von einer steten unterschwelligen Bedrohung begleitet, die das Leben in dieser unwirtlichen Welt nun mal mit sich bringt. Zum Ende hin nimmt die Geschichte nochmal an Fahrt auf und es gibt sogar einen "Showdown". Hierbei stellt die Autorin erneut unter Beweis, dass sie nicht davor zurückschreckt, den Leser mit schonungsloser Gewalt zu konfrontieren - koste es, was es wolle.

Diesen Roman in eine Schublade zu stecken, fällt schwer. Ich neige dazu, auch dieses Buch als Dystopie abzustempeln, aber im Grunde spielt Lynns Geschichte eigentlich nur vor einem "dystopischen Hintergrund". Es gibt nur vage Erklärungen, warum das Süßwasser so knapp geworden ist, Ölkriege finden eine Erwähnung und wenn die Geschichte in der Stadt gespielt hätte, könnte man sie gewiss auch als Gesellschaftskritik katalogisieren. So aber dreht sich letztlich alles nur um Lynn und das Überleben in der Wildnis. Man verfolgt die Entwicklung einer außergewöhnlichen Protagonistin und wird Zeuge davon, wie die Menschen von einer Gemeinschaft zu schlichten Futterneidern werden. 

Alles in allem ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, die wohl kaum den Wunsch nach einer Fortsetzung hervorruft. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf In a Handful of Dust und bin gespannt, was der nächste Lebensabschnitt für Lynn bereithält.

Das Cover finde ich sehr gelungen. Es trifft die Geschichte genau und stellt eine Szene dar, die man sich im Buch auch genauso vorstellt. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht entscheiden, ob mir das englische oder das deutsche Cover besser gefällt. Die deutsche Farbgebung vermittelt den Eindruck einer ausgedörrten Welt, während man das Grün und Gelb des englischen Covers mit Verseuchung und/oder Verstrahlung assoziiert. Beides passt im weitesten Sinne und sowohl der Originaltitel als auch die Übersetzung treffen es auf den Punkt.

Fazit

Mindy McGinnis' "Bis zum letzten Tropfen" ist eine gelungene Geschichte, die sehr unterhaltsam und schnell gelesen. Der dystopische Hintergrund wirkt authentisch und es ist wirklich angenehm, dass mal keine Revolution oder Gesellschaftskritik im Vordergrund steht. Eine allgegenwärtige unterschwellige Bedrohung macht den Mangel an Action schnell wieder wett. Während des Lesens habe zumindest ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie ich wohl in dieser oder jener Situation reagieren würde und werde wohl auch weiterhin immer mal wieder über diesen wasserarmen Weltentwurf nachdenken. Auch wenn die Geschichte ein rundes Ende hat, freue ich mich auf die Fortsetzung. Sehr gute 4/5 Bücher!

Die Autorin

© www.amyparrish.com
Mindy McGinnis beschäftigt sich ununterbrochen mit Büchern und Geschichten: Wenn sie nicht gerade schreibt, arbeitet sie in einer Bibliothek. Ihre zweite Leidenschaft gehört dem Überleben in der Wildnis. Sie kocht gern Konserven ein, musste sich bisher aber noch nie außerhalb der Zivilisation behaupten. Mindy McGinnis lebt in Ohio.

Die Reihe

Not a Drop to Drink Dilogie
  1. Bis zum letzten Tropfen / Not a Drop to Drink (Not a Drop to Drink #1)
  2. ??? / In a Handful of Dust (Not a Drop to Drink #2)

Originalcover

Mein Dank geht an...

...den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Hi!

    Eine sehr schöne Rezi, hast du toll zusammengefasst.
    Ich weiß allerdings immer noch nicht, ob ich das Buch lesen will oder nicht. Hab jetzt schon mehrere positive Rezis gelesen, aber irgendwie hats mich noch nicht gepackt.
    Wird wohl erstmal weiter auf der Merkliste bleiben :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Danke :) ich kann verstehen, dass Du noch abwarten willst, aber in dem Fall spricht auf jeden Fall die Kürze für das Buch. Selbst wenn es Dir also nicht 100-prozentig zusagt, hast Du es schnell gelesen ;)

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  2. Hallo,

    danke dir für diese rezension. ich habe auch schon mit dem Buch geliebäugelt und ich denke, ich möchte es auch sehr gerne lesen. allerdings wusste ich nicht, dass es eine Reihe wird, hmmm..

    Liebe und sonnige Grüße für dich!
    Alexandra

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    1. Es sind ja nur zwei Bände :) und der zweite Band wird aus der Sicht des kleinen Mädchens erzählt, das bei Lynn einzieht. So wie ich das verstanden habe, setzt das auch einige Jahre später an. Also, MUSS man wohl nicht unbedingt weiterlesen.

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  3. Hey,
    eine tolle Rezi :)
    Dieses Buch macht mich wirklich neugierig und Deine Rezension macht es nur noch viel schlimmer *lach*
    LG Ela

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  4. Hi Rica,
    bei mir hat das Buch etwas schlechter abgeschnitten, obwohl sich unsere Kritik teilweise überschneidet. ;) Dennoch ist es eine gelungene Rezi.
    Liebe Grüße
    Mandy

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  5. Mir hat das Buch auch gut gefallen, einfach weil es mal etwas anderes ist. Es ist eben eher eine Geschichte, die am Rand der eigentlich Thematik spielt und das fand ich total interessant und super umgesetzt!

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    1. Das hast Du sehr treffend formuliert :)

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